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Dauerthema Strompreiserhöhungen – Wie sich Verbraucher dagegen wehren können

Strompreise steigen, Kosten der Versorger fallen – Was Verbraucher tun können

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ist Deutschland schon in der Vorrunde sang- und klanglos ausgeschieden. Und dabei sehnten sich die deutschen Fußballfans so sehr nach dem zweiten Weltmeistertitel in Folge. Die deutschen Stromkunden sehnten sich in Bezug auf ihre Strompreise keineswegs nach einem Titel. Und doch ist er gelungen. So ungerecht kann die Welt sein. Deutschland darf sich ab sofort Strompreis-Europameister nennen. In keinem europäischen Land müssen Verbraucher mehr für Strom berappen als in Deutschland. Strom als Luxusgut? Wir beleuchten die Strompreisentwicklung in Deutschland und sagen, was Verbraucher tun können.

Der Kaiser warf im 17. Jahrhundert Münzen aus dem Fenster des Würzburger Rathauses für die Armen im Volk. Daher stammt das Sprichwort „Er wirft das Geld zum Fenster hinaus“. Heute wirft das Volk viel Geld zur „Steckdose“ hinaus. Bildquelle: JoaoCachapa – 1104123836 / Shutterstock.com

Aktuell liegt der Strompreis in Deutschland im Schnitt bei 29,42 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Eurostat, die Statistikbehörde der Europäischen Union, kommt sogar auf einen Durchschnittspreis von 33,62 Cent. 1998 lag der durchschnittliche Strompreis noch bei 17,11 Cent. Somit ist der Strompreis in den letzten zwanzig Jahren um knapp 100 Prozent gestiegen. Ein 3-Personen-Haushalt verbraucht laut dem Stromspiegel 2017 im Schnitt etwa 3.600 kWh jährlich. Somit wird das Haushaltsbudget allein durch Strom mit 85,80 Euro im Monat belastet. 1998 waren es noch 49,90 Euro.

Statistik: Verbraucher müssen monatlich immer mehr für Strom bezahlen

Die Komponenten, aus denen sich der Strompreis zusammensetzt
Mehrere Komponenten bestimmen, welchen Strompreis Sie als Kunde bei Ihrem Lieferanten letztendlich bezahlen. Einige davon sind für Verbraucher schwer nachvollziehbar. Das ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass die Kosten für Erzeugung, Transport und Vertrieb seit 1998 nahezu gleich geblieben sind:

Erzeugung, Transport und Vertrieb seit 1998 nahezu gleich geblieben sind:
1998 2017
Stromkosten für Erzeugung, Transport, Vertrieb
13,04 Cent
13,11 Cent
Strompreis gesamt 17,11 Cent 29,16 Cent
Anteil Steuern, Abgaben und Umlagen
24%
54%

Der Anteil der Steuern, Abgaben und Umlagen hat sich also in zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Er beinhaltet folgende Werte:
• Steuern: 22,9 % (diese beinhalten die Mehrwertsteuer von 16 % und die Stromsteuer von 6,9 %
• Konzessionsabgabe: 5,4 %
• Umlage nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG-Umlage): 23 %
• Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz KWKG: 1,5 %
• Umlage nach § 19 der Strom-Netzentgeltverordnung: 1,3 %
• Offshore-Haftungsumlage: 0,1 %
• Umlage für abschaltbare Lasten: 0,02 %
Der obige Kostenanteil macht 54,22 Prozent des Gesamtstrompreises aus. Der Anteil für Erzeugung, Transport und Vertrieb beläuft sich aktuell auf 21,5 Prozent. Die restlichen 24,28 Prozent machen das Nettonetzentgelt (23,18%) und Entgelte für die Kosten der technisch notwendigen Mess- und Steuereinrichtungen (1,1%) aus.
Steuern und staatlich festgelegte Umlagen könnten somit rein theoretisch als die Preistreiber beim Strompreis identifiziert werden. Ganz so einfach ist es aber nicht. Ausufernde Subventionen für immer mehr Unternehmen und Mitnahmeeffekte der Stromversorger sind ebenso dafür verantwortlich.
Gründe für die Strompreiserhöhungen
Privaten Haushalten drohen immer von drei Seiten Strompreiserhöhungen. Immer wenn der Staat per Gesetz wieder eine neue Umlage beschließt, wird diese von den Versorgern an die Verbraucher weitergegeben. Ob dies zu Hundert Prozent der Fall ist oder ob die Versorger gleich noch ein, zwei Zehntelprozentpunkte drauflegen, ist aufgrund der zahlreichen Komponenten, aus denen sich der Strompreis zusammensetzt, kaum noch nachvollziehbar.
Die zweite Quelle für höhere Preise beim Strom sind die Netzbetreiber. Das sind Dienstleistungsunternehmen, die die Infrastruktur der überregionalen Stromnetze zur elektrischen Energieübertragung operativ betreiben. Sie stellen ihre Dienstleistungen den Stromhändlern und Stromlieferanten in Rechnung. Das Netzentgelt ist ebenfalls Teil des Strompreises und macht derzeit gut 23 Prozent aus. Hier lauern in Zukunft permanent Strompreiserhöhungen aufgrund teurer Stabilitätsmaßnahmen. Damit sind Eingriffe in die Netzregulierung gemeint, die aufgrund mangelnder Infrastruktur nötig sind, wenn beispielsweise Windkraftanlagen kostenpflichtig abgeschaltet werden müssen, weil die Stromleitungen deren Strom in Hochlast-Phasen nicht mehr transportieren können. Experten schätzen, dass sich solche Kosten derzeit auf rund eine Milliarde Euro im Jahr belaufen und erwarten weitere Steigerungen. Insgesamt gibt es in Deutschland vier Netzbetreiber:
• Tennet TSO
• 50Hertz Transmission
• Amprion
• TransnetBW
Die dritte Quelle für höhere Strompreise bilden die Stromhändler und Stromlieferanten selbst. Hier werden Preisänderungen an der Leipziger Strombörse und bei den Rohstoffpreisen an die Endkunden weitergegeben. Der aktuelle Börsenpreis für den EEX-Baseload (durchschnittlicher Preis für Grundlaststrom) überstieg im 2. Quartal 2018 den Vorjahreswert bereits um 34 Prozent.
Was Verbraucher tun können
Verbraucher glauben oft, dass sie der Strompreispolitik ihres Anbieters hilflos ausgeliefert sind. Das ist aber ein Irrtum. Sie selbst können die Strompreisbremse auf zweierlei Weise ziehen:
• Strom sparen
• Anbieterwechsel
Mit intelligenter Technik und einem bewussten Umgang mit Strom bieten sich jedem Verbraucher schon einige Einsparpotenziale. Wo im Haushalt große Sparmöglichkeiten beim Stromverbrauch stecken, darüber haben wir bereits hier berichtet.

Das Einsparpotenzial bei einem Anbieterwechsel ist sogar noch höher. Die Finanzexperten der Stiftung Warentest haben errechnet, dass die Stromrechnung um bis zu 30 Prozent günstiger ausfallen könnte, würden sich Verbraucher nach einem Tarifvergleich für einen günstigeren Anbieter entscheiden. Den kommunalen Energieversorgern, insbesondere den Stadtwerken, mangelt es laut einer Studie an innovativen neuen Geschäftsmodellen. Offenbar kann dies nur durch geringere Kundenzahlen geändert werden. Kleinere private Anbieter sind da wesentlich einfallsreicher und haben sich schon besser an den Wandel innerhalb der Energiewirtschaft angepasst.

In den Großstädten ist das Einsparpotenzial durch einen Anbieterwechsel laut Stiftung Warentest am größten. Zum Vergleich hier die Top-Werte für einen 4-Personen Haushalt:

• Berlin: jährliche Einsparung 420 Euro
• Hannover: jährliche Einsparung 380 Euro
• Bremen: jährliche Einsparung 340 Euro

Um vor Lockangeboten gefeit zu sein, sollten Sie darauf achten, dass der neue Tarif eine mindestens 12-monatige Preisgarantie beinhaltet. Ein Anbieterwechsel kann problemlos  erledigt werden. Der Wechselservice beinhaltet alle Formalitäten, sodass Sie sich um Kündigung und Anmeldung beim neuen Stromanbieter nicht zu kümmern brauchen.

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Nützliche Tipps zum Thema Anbieterwechsel

Das Thema Strompreiserhöhungen war in den vergangenen Jahren mehr als präsent bei uns in Deutschland. Nicht zuletzt die Erhöhungen der EEG Umlage zur Förderung von Ökostrom sorgten immer wieder für Aufruhr und Diskussionen. Die Stromanbieter erhöhen ihre Preise allerdings in regelmäßigen Abständen, egal ob mit oder ohne Erhöhung der EEG Umlage. Viele nutzen die schlechte Presse, die gegenüber der Energiewende und der Förderung von erneuerbaren Energien gemacht wird, sogar, um so die Preise erhöhen zu können und der Energiewende dafür die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Selbst wenn die Einkaufspreise beim Strom sinken, bekommen die Verbraucher in den meisten Fällen davon rein gar nichts zu spüren.

© Marcus Klepper - Fotolia.com
© Marcus Klepper – Fotolia.com

Wer nach einem neuen Anbieter sucht, sei es, weil er mit seinem bisherigen nicht mehr zufrieden war, oder weil aufgrund eines Umzugs eine neue Anmeldung bei einem Versorger nötig ist, tut gut daran, sich besonders gut über die Angebote auf dem Markt zu informieren und so versteckte Fallen zu vermeiden. Nützliche Tipps zum Stromvergleich erhalten Sie hier zum Beispiel. Das Internet ist sowieso in diesem Fall eine gute Informationsquelle, wobei man allerdings auch hier darauf achten sollte, nicht an die falsche Adresse zu geraten. Wer neutral beraten werden möchte, sollte sich an eine namhafte und objektive Seite wenden.

Viele Verbraucher entscheiden sich inzwischen für den Bezug von Ökostrom, doch man sollte auch in diesem Fall darauf achten, dass der Anbieter lupenrein sauber ist. Nicht jeder, der Ökostrom im Angebot hat, liefert diesen auch zu hundert Prozent. Um hier eine genaue Gewissheit über die Zuverlässigkeit der Angaben eines Anbieters zu erlangen, lohnt es sich, bei zertifizierten Adressen wie der Stiftung Warentest noch einmal genau nachzuforschen und sich ein paar Bewertungen in Bezug auf den Anbieter durchzulesen. Ebenso wichtig: Preisgarantien für einen zuvor festgelegten Zeitraum. Der Preis sollte für mindestens ein Jahr nach Vertragsabschluss der gleiche bleiben, so dass man nicht kurz nach dem Abschließen des Vertrags eine böse Überraschung erlebt und direkt mehr zahlen muss. Wer im Großen und Ganzen auf seinen gesunden Menschenverstand achtet und dubiose Angebote von vornherein ausschließt, dürfte sich letztendlich aber auf der sicheren Seite befinden und einen guten Anbieter ausfindig machen.

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Stromanbieter nutzen Energiewende für Preisaufschlag

Nahezu jeder zweite Stromversorger hat die Energiewende genutzt, um die Strompreise zu erhöhen. Dies geht zumindest aus einer Studie der Verbraucherzentrale NRW hervor. “Mindestens die Hälfte der Grundversorger in NRW hat die öffentliche Diskussion über die Energiewende und die steigende EEG-Umlage nach unserer Auffassung instrumentalisiert, um unangemessen hohe Aufschläge zu fordern”, so Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.
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Kommt der Standort Deutschland durch die Energiewende in Gefahr?

Für die Bundesrepublik Deutschland ist die Energiewende ein wichtiges Thema. Der stetige Ausbau der erneuerbaren Energien soll es Deutschland ermöglichen, in Zukunft mit wenig oder gar keinen fossilen Energien auszukommen. Doch die Energiewende hat auch ihren Preis. So ist ein oft problematisches Thema der ansteigende Strompreis, einerseits durch die Erhöhung der EEG-Umlage und zum Anderen durch die Erhöhung der Netzentgelte. Doch nicht nur der private Haushalt muss sich um die steigenden Kosten kümmern, auch die Industrieunternehmen müssen zahlen. So könnte dies Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) der Entwicklung des Industriestandorts Deutschland schaden.
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Strompreiserhöhungen um bis zu 12 Cent

Die Energiewende lässt die Strompreise steigen. Wahrheit oder Märchen? Etwas Wahres ist an dieser Behauptung in jedem Fall dran, denn durch die Erhöhung der EEG Umlage zur Förderung von Ökostrom müssen auch die Stromanbieter und dadurch die Kunden mehr für den Strom zahlen, dem mit der Zeit und dem Ausbau der Wind- und Solarkraft in Deutschland immer mehr Ökostrom beigefügt wird. Doch die massiven Erhöhungen, die so mancher Versorger für das kommende Jahr angekündigt hat, ist in keinem Fall mit der EEG Umlagenerhöhung zu rechtfertigen
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Netzgebühren führen zu noch höheren Strompreisen

Mit dem kommenden Jahr wird Strom für deutsche Haushalte wesentlich teurer. Neben den steigenden EEG-Ökostrom Gebühren, planen Netzbetreiber eine Entgelterhöhung von 10 bis zu 27 Prozent. Für einen Haushalt mit 3000 Kilowattstunden Jahresverbrauch würde die Erhöhung bei knapp 10 Prozent liegen, eine Erhöhung der jährlichen Mehrkosten um rund 30 Euro.
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