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Die Strompreisentwicklung in Deutschland: Hintergründe und Prognosen

Die Strompreise sind in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Immer mehr Eigenheimbesitzer rüsten nach und setzen daher auf regenerative Energieträger. In den vergangenen 15 Jahren sind die Preise für Strom von ca. 16 Cent auf knapp 28 Cent gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg von über 40%. Ein Grund dafür ist der Strommix, in dem Strom aus erneuerbaren Energien eine immer wichtigere Rolle einnimmt.

Die Strompreise sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Bildquelle: vchal – 618634256 / Shutterstock.com

In den vergangenen 15 Jahren sind die Strompreise in Deutschland massiv angestiegen. Bei einer Strompreisverteuerung von über 40% spüren vor allem Familien, wie sehr die Stromrechnung ins Budget schlägt. Die Hintergründe für den massiven Anstieg der Stromkosten sind vielseitig. Ein Aspekt ist der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien. Dieser ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und führte dazu, dass auch die Kosten deutlich gestiegen sind. Positiv anzumerken ist jedoch, dass der Preis im Jahr 2014 zum ersten Mal eine Tendenz nach unten hatte und zeigt, dass der Strompreis durchaus auch leicht sinken kann. Nachdem es im Jahre 2015 ebenfalls etwas günstiger wurde, zog der Strompreis 2016 sowie 2017 wieder leicht an.

Ökostrom ist in der Produktion noch deutlich teurer als Strom zum Beispiel aus herkömmlichen Energieträgern wie Kohle oder der Atomkraft zu produzieren. Der Aufschlag, der für die erneuerbaren Energien fällig wird, muss von den Verbrauchern getragen werden.

Welche Rolle spielt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bei der Entwicklung der Strompreise?

Im Jahr 2000 wurde das EEG ins Leben gerufen. Seitdem hat Strom aus Wind- und Solarenergie eine besondere Bedeutung in der Stromerzeugung in Deutschland. Der Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2013 wurde bereits 23% des Stroms, der in Deutschland genutzt wurde, aus erneuerbaren Energiequellen produziert. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat natürlich einen Einfluss auf die entsprechende Entwicklung der Strompreise. Der Anteil der regenerativen Energieträger am gesamten Strom in Deutschland soll in den kommenden Jahren weiter steigen. Das bedeutet, dass bis zum Jahr 2025 mindestens 40% des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energieträgern kommen soll. In den darauf folgenden Jahren soll der Anteil weiter steigen, so dass bald über die Hälfte des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammen soll.

  • Stromanteil erneuerbarer Energien wird 2025 mind. 40% ausmachen
  • Anteil erneuerbarer Energien wird im Strommix weiter steigen
  • Solaranlagen erhalten Zusage der Stromkonzerne, dass ihr Strom abgenommen wird

Je mehr Strom aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen wird und entsprechend in den Strommix einfließt, umso höher sind auch die daraus resultierenden Stromkosten. Der Strom, der aus Windenergie sowie aus Solarenergie erzeugt wird, kann preislich mit dem Strom aus Kohle sowie Gas oder Kernkraftwerken nicht konkurrieren. Die Betreiber von z.B. Solaranlagen erhalten feste Vergütungen durch das EEG für die Erzeugung von Strom, den sie in das Netz einspeisen. Diese liegen jedoch deutlich über den Kosten, die durch die Erzeugung des Stroms verursacht werden. Gleichzeitig gibt es für die Betreiber von Solaranlagen eine feste Zusage, dass der Strom durch die Betreiber der Netze abgenommen wird. Dies führt unter dem Strich dazu, dass die Preise für Strom weiter steigen werden, da in den kommenden Jahren der Einsatz der erneuerbaren Energieträger ebenfalls steigen wird.

Welche Prognose gibt es für die Strompreise in Deutschland?

Es ist davon auszugehen, dass die Strompreise in Deutschland in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Bedingt durch die Energiewende und durch den Ausstieg aus der Atomenergie wird dafür gesorgt, dass in Deutschland vor allem in den südlichen Bundesländern weniger Strom erzeugt wird, als es einst bedingt durch viele Atomkraftwerke der Fall gewesen war. Ein großer Teil des Stroms, der durch erneuerbare Energieträger wie den Wind erzeugt wird, kommt inzwischen aus Norddeutschland. Hier gibt es zahlreiche Windparks – auf dem Festland sowie auch in der Nordsee.

Der Strom aus den erneuerbaren Energieträgern ist deutlich teurer als der frühere günstige Atomstrom. Dies dürfte auch in den kommenden Jahren dazu beitragen, dass die Preise für Strom in Deutschland weiter steigen werden. Fakt ist, dass die Energiewende zwar ihren Preis hat, jedoch langfristig die Umwelt und auch die Menschen davon profitieren dürften.

  • Strompreise werden durch das EEG mittelfristig weiter steigen
  • Strom aus erneuerbaren Energieträgern ist teurer als herkömmliche Stromerzeugung
  • Die Preise für z.B. Solarmodule sinken, langfristig könnte Strom dadurch günstiger werden

Sollte es dazu kommen, dass der Strom aus erneuerbaren Energieträgern günstiger produziert werden kann und zum Beispiel immer mehr Haushalte auf Solarstrom umsteigen, ist es denkbar, dass der Strompreis irgendwann wieder fällt. Bis diese Entwicklung in Deutschland einsetzt, ist es jedoch denkbar, dass noch 10 bis 20 Jahre vergehen.

Wer sich die Preise für Solarmodule anschaut, wird feststellen, dass diese in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich gesunken sind. Darüber hinaus ist die Leistungsfähigkeit der Solarmodule stark gestiegen. Auch die Lebensdauer einzelner Module ist inzwischen höher, als es noch vor 10 bis 15 Jahren der Fall gewesen ist. Bedingt dadurch, dass massiv in Photovoltaik und andere erneuerbare Energien investiert wird, sollte die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energieträgern langfristig günstiger werden.

Bildquelle: vchal – 618634256 / Shutterstock.com

EEG-Umlage und Energiewende: Derzeitiger Stand und Aussichten

Die Energie-Umlage könnte kurzfristig teurer werden. Langfristig ist jedoch ein Abfallen der Strompreise absehbar. Die Energiewende ist trotzdem noch so weit fortgeschritten, wie gewünscht und geplant. Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich. Privatverbraucher können jedoch einiges beitragen.  

Ein Großteil des Weges zur Energiewende steht noch bevor. Bildquelle: Bildagentur Zoonar GmbH – 291297509 / Shutterstock.com

Erneuerbare Energien sind in Deutschland weiterhin erfolgreich. Die Energie-Umlage sorgt allerdings dafür, dass die Strompreise zumindest kurzfristig ansteigen. Davon geht die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende in ihrer neuesten Studie aus. Die durchschnittlichen Strompreise werden demnach um 1,4 Prozent auf 30 Cent pro Kilowattstunde steigen. Die Gründe liegen allerdings nicht bei den erneuerbaren Energien, sondern bei teuren Rohstoffen wie z.B.:

• Erdöl
• Kohle
• Erdgas

Das Ausschreibungsverfahren, ein höheres Wettbewerbsniveau und niedrigere Zuschlagspreise sollen entsprechend für niedrigere Strompreise sorgen. Sonnen- und Windenergie könnten also langfristig günstiger werden.

Energiewende: Wo stehen wir?

Dass die Energiewende zunehmend größere Erfolge erzielt, zeigt sich auch am Anteil, den die erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch und Gesamtstromerzeugnisse im Jahr 2017 hatten:

• Der Anteil von Wind-, Wasser-, Bio- und Sonnenenergie am Gesamtstromverbrauch betrug 36,1 Prozent
• Anteil der erneuerbaren Energien am erzeugten Strom betrug 33,1 Prozent

Deutlich wird auch, dass neu entstehende Anlagen, die Strom erzeugen, günstiger werden, auch wenn für den Übergang natürlich althergebrachte Energieerzeuger wie z.B. Gaskraftwerker benötigt werden.
Erst in wenigen Jahren, wahrscheinlich um 2020 herum, wird sich herausstellen, welche Vorzüge die Energiewende wirklich mit sich bringt.

Statistik: Höhe der EEG-Umlage für Haushaltsstromkunden in Deutschland bis 2018. Quelle: netztransparenz.de

Energiewende: Wie geht es weiter?

 

Wo genau die Energiewende letztendlich hinführt, bleibt weiterhin jedoch unklar, was zu großen Frustrationen in der Energiewirtschaft führt. Vertreter des Energiesektors wünschen sich vor allem von der Bundesregierung eine konkretere Planung. Ein präziser Plan ist insbesondere notwendig, um alternative Arbeitsplätze für diejenigen Arbeitnehmer zu schaffen, die noch in der althergebrachten fossilen Energiegewinnung arbeiten. Die Förderungen von Gebäudesanierungen und der Elektromobilität schreiten ebenfalls noch nicht schnell genug voran. Die unsichere Planung sorgt weiterhin dafür, dass Investitionen in den neuen Energiesektoren stagnieren.

Energiewende: Was kann ich tun? 

Die Politik mag zwar weiterhin zögern, wenn es um eine präzise Planung und deutliche Entscheidungsfindung geht, dennoch kann der individuelle Verbraucher etwas zur Energiewende beitragen. Hier einige Anknüpfungspunkte:

Maßnahme Wie sie helfen können
Ökostrom Verbraucher, denen die Energiewende am Herzen liegt, sollten darauf achten, dass ihr Ökostromanbieter ebenfalls darauf abzielt. Manche Anbieter, die sich mit einem entsprechenden Label brüskieren, unterstützen in Wahrheit keine regenerativen Kraftwerke. Zwar finanziert eigentlich jeder Verbraucher die EEG-Umlage mit, aber nur wer gezielt vorgeht und nach entsprechenden Anbietern sucht, sorgt für eine grüne Wirtschaft und unabhängige sowie überlebensfähige Anlagen.
Photovoltaik Privatverbraucher können sich eine Solar- bzw. Photovoltaikanlage auf das Hausdach montieren lassen. Der daraus entstehende Strom kann der Betreiber für seine eigenen Zwecke verwenden oder in das öffentliche Stromnetz einspeisen und an Energieversorger verkaufen.
Solarthermie Im Gegensatz zur privaten Photovoltaikanlage wird kein Strom erzeugt, sondern Wärme- und Heizenergie, mit der Verbraucher künftig sparsamer heizen und Wasser erhitzen können.
Wärmedämmung Eine ordentliche Wärmedämmung und eine Sanierung von Wänden und Dächern sorgen dafür, dass Wärme im Winter nicht schnell und in einem großen Maße entweicht, sondern innerhalb der vier Wände bleibt, wo sie hingehört.

Tabelle: Einiges können Verbraucher selbstständig tun, um die Energiewände zu unterstützen. Gleichzeitig können sie Strom und Energie sparen. Einige dieser Maßnahmen bringen finanzielle Vorteile, werden staatlich gefördert und erhöhen sogar den Wert von Wohneigentum und Immobilien generell. Natürlich können auch private Unternehmen solche Schritte ausführen, was als Bonus sogar ein positives Image mit sich bringt.

Weitere Herausforderungen der Energiewende

Mit der Umstellung der Kraftwerke und der Energieerzeuger kann die Energiewende allerdings nicht allein gemanagt werden. Weil der Strom dezentral von mehreren einzelnen Anlagen erzeugt wird, anstatt von zentralen Kraftwerken, muss das Energienetz entsprechend umgebaut werden. Zudem kommt es immer zu Schwankungen, wenn Energienetze stark vom Wetter abhängig sind. Bessere Speichermöglichkeiten sind notwendig, um solche Schwankungen immer wieder auszugleichen. Intelligente Stromnetze sollen dagegen dafür sorgen, dass eventuelle Engpässe vermieden werden und eine ausreichende Stromversorgung für alle Haushalte gewährleistet wird.

Warum ist die Energiewende notwendig? 

Die Fortschritte der Energiewende bleiben weiterhin ernüchternd und die Klimaschutzziele außer Reichweite. Dabei sind die Energiewende und die damit einhergehenden technischen Veränderungen und Weiterentwicklungen dringend notwendig. Nicht nur der Umwelt willen, sondern auch um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und den Wohlstand weiterhin zu gewährleisten. Aus folgenden Gründen:

  • zunehmend schwankende Ölpreise
  • hohe Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen
  • Erschließung einer nachhaltigen, effizienten und unabhängigen Energieversorgung

Die dezentrale, private Umstellung auf erneuerbare Energien stellt dahingehend einen wichtigen Schritt dar. Allerdings muss noch einiges getan werden, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen.

Bildquelle: Bildagentur Zoonar GmbH – 291297509 / Shutterstock.com

Vorbilder beim Ökostromausbau: Deutschland und China im Kopf an Kopf Rennen

Bisher galt die deutsche Energiewende als weltweites Vorbild für den Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere im Stromsektor. Doch ausgerechnet China, ein Land mit enorm hohen Kohlenstoffdioxid-Emissionen, könnte Deutschland die führende Rolle bald streitig machen. Vor allem die Dynamik des chinesischen Ökostrom-Ausbaus ist der heimischen Ausbaudynamik weit voraus. Momentan führt Deutschland, mit einem Anteil von 31 Prozent erneuerbarer Energien bei der Bruttostromerzeugung im ersten Halbjahr 2014, noch knapp vor China, welches im selben Zeitraum einen Anteil von etwa 30 Prozent erreichte. Wissenschaftler sehen China in Zukunft allerdings als Spitzenreiter. Dies zeigt eine aktuelle Trendanalyse. Vorbilder beim Ökostromausbau: Deutschland und China im Kopf an Kopf Rennen weiterlesen

Nützliche Tipps zum Thema Anbieterwechsel

Das Thema Strompreiserhöhungen war in den vergangenen Jahren mehr als präsent bei uns in Deutschland. Nicht zuletzt die Erhöhungen der EEG Umlage zur Förderung von Ökostrom sorgten immer wieder für Aufruhr und Diskussionen. Die Stromanbieter erhöhen ihre Preise allerdings in regelmäßigen Abständen, egal ob mit oder ohne Erhöhung der EEG Umlage. Viele nutzen die schlechte Presse, die gegenüber der Energiewende und der Förderung von erneuerbaren Energien gemacht wird, sogar, um so die Preise erhöhen zu können und der Energiewende dafür die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Selbst wenn die Einkaufspreise beim Strom sinken, bekommen die Verbraucher in den meisten Fällen davon rein gar nichts zu spüren.

© Marcus Klepper - Fotolia.com
© Marcus Klepper – Fotolia.com

Wer nach einem neuen Anbieter sucht, sei es, weil er mit seinem bisherigen nicht mehr zufrieden war, oder weil aufgrund eines Umzugs eine neue Anmeldung bei einem Versorger nötig ist, tut gut daran, sich besonders gut über die Angebote auf dem Markt zu informieren und so versteckte Fallen zu vermeiden. Nützliche Tipps zum Stromvergleich erhalten Sie hier zum Beispiel. Das Internet ist sowieso in diesem Fall eine gute Informationsquelle, wobei man allerdings auch hier darauf achten sollte, nicht an die falsche Adresse zu geraten. Wer neutral beraten werden möchte, sollte sich an eine namhafte und objektive Seite wenden.

Viele Verbraucher entscheiden sich inzwischen für den Bezug von Ökostrom, doch man sollte auch in diesem Fall darauf achten, dass der Anbieter lupenrein sauber ist. Nicht jeder, der Ökostrom im Angebot hat, liefert diesen auch zu hundert Prozent. Um hier eine genaue Gewissheit über die Zuverlässigkeit der Angaben eines Anbieters zu erlangen, lohnt es sich, bei zertifizierten Adressen wie der Stiftung Warentest noch einmal genau nachzuforschen und sich ein paar Bewertungen in Bezug auf den Anbieter durchzulesen. Ebenso wichtig: Preisgarantien für einen zuvor festgelegten Zeitraum. Der Preis sollte für mindestens ein Jahr nach Vertragsabschluss der gleiche bleiben, so dass man nicht kurz nach dem Abschließen des Vertrags eine böse Überraschung erlebt und direkt mehr zahlen muss. Wer im Großen und Ganzen auf seinen gesunden Menschenverstand achtet und dubiose Angebote von vornherein ausschließt, dürfte sich letztendlich aber auf der sicheren Seite befinden und einen guten Anbieter ausfindig machen.

Fotoquelle: Marcus Klepper – Fotolia.com

Das EEG im Visier: EU Verfahren gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch in diesem Jahr

Anders als in Berlin sieht man das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Brüssel kritischer. Laut EU-Kommission verstößt das deutsche Gesetz gegen geltendes europäisches Wettbewerbsrecht. Offiziell heißt dass, die EU sieht das deutsche Ökostrom-Fördersystem als genehmigungspflichtige staatliche Beihilfe an und will daher ein sogenanntes EU-Beihilfeverfahren einleiten um die Vermutung zu prüfen. Dass die Europäische Kommission ein Beihilfeverfahren anvisiert ist allerdings schon seit etwa einem halben Jahr öffentlich bekannt. Nun allerdings will man in Brüssel ernst machen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia will noch in diesem Jahr das Hauptverfahren einleiten. Welche Auswirkungen die Folgen des Verfahrens haben werden, weiß momentan allerdings noch keiner genau. Das EEG im Visier: EU Verfahren gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch in diesem Jahr weiterlesen

EEG: Bund plant Industrierabatte zu streichen

Wie aus einem von Reuters vorgelegten Papier des Umweltministeriums hervorgeht, plant die Bundesregierung die bisherigen Rabatte für zahlreiche Industriezweige bei der EEG-Umlage zu streichen. Lediglich Industrien mit sehr hohem Stromverbrauch sollen weiterhin in dem Maße wie bisher von den Vergünstigungen profitieren können. Durch diese Maßnahme würden Rabatte in Milliardenhöhe gestrichen.

© Eisenhans - Fotolia.com
© Eisenhans – Fotolia.com

Die hohen Rabatte für zahlreiche Industriezweige hinsichtlich der EEG-Umlage sind vielen schon seit längerem ein Dorn im Auge – nicht zuletzt auch der EU. Jetzt reagiert die Regierung offenbar und will einen Großteil der Industrierabatte streichen. Das geht aus einem Papier des Umweltministeriums hervor, das Reuters am Dienstag vorlegte. Von den Streichungen sind zahlreiche Industriezweige betroffen. So etwa die Bereiche Nahrungs- und Futtermittel, Ziegel, Zement, Braun- und Steinkohlebergbau, Gewinnung von Steine und Erden und Recycling.

Lediglich besonders energieintensive Industriezweige sollen nach wie vor von den Industrierabatten profitieren dürfen. Darüber hinaus sollen die Mindestbeiträge, die bislang von der Industrie zu zahlen sind, verdoppelt werden. Bislang zahlen viele Industrien nur einen Bruchteil der Umlage, die für private Verbraucher fällig wird.

Mit diesen Plänen regiert die Bundesregierung nicht zuletzt auch auf den Druck von der EU. So waren Brüssel die Ausnahmen bei der EEG-Umlage für die Industrie schon seit längerem ein Dorn im Auge. Am Donnerstag will Bundesumweltminister Altmaier (CDU) nach Brüssel reisen und seine Pläne dem EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia vorstellen. Nicht zuletzt hofft man so mögliche Rückzahlungsforderungen von der EU verhindern zu können.

Rösler fordert stärkere europäische Zusammenarbeit bei der Energiepolitik

Im Rahmen einer Konferenz in Brüssel am Dienstag äußerte sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zur Förderung der erneuerbaren Energien in Deutschland. Der Förderung durch das EEG steht Rösler dabei sehr kritisch gegenüber und sieht hier weitreichenden Reformbedarf. So äußerte sich Rösler folgendermaßen: „Wir müssen aus der planwirtschaftlichen Förderung erneuerbarer Energien heraus, am besten auf europäischer Ebene.“ Auch viele deutsche Unternehmensverbände haben bereits die Reformbedürftigkeit des EEG betont.

Bisher ist der Eckpfeiler der Förderung der erneuerbaren Energien eine durch das EEG festgelegte Einspeisevergütung. Diese ist allerdings in hohem Grad auch mitverantwortlich für die derzeit steigenden Strompreise. Rösler sieht in der Einspeisevergütung kein adäquates Mittel, um den Ausbau der regenerativen Energien langfristig effizient zu fördern. Stattdessen sieht Rösler eine gute Alternative in der Ausweitung des Emissionshandels. Vor allem auf europäischer Ebene könnte man hiermit effizient zusammenarbeiten. Rösler sagte hierzu: „Langfristig sollte es das Ziel sein, auf EU-Ebene Klimaschutz, Energieeffizienz und erneuerbare Energien mit einem Instrument zu fördern.“

Eine derartige Förderung müsse auf europäischer Ebene allerdings die Kernenergie ausschließen. Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger sprach sich auf der Konkurrenz für ein stärkeres Zusammenrücken Europas bei Fragen der Energiepolitik aus. Abseits der europäischen Energiepolitik warnte Rösler zudem vor einer Eskalation des europäisch-chinesischen Streites über neue billige Solaranlagen, da ein gegenseitiges Aufschaukeln langfristig zu wirtschaftlichen Nachteilen sowohl für Europa als auch für China führen könnte.

Ökostrom-Soli statt EEG-Umlage?

Seit Monaten ziehen die Strompreise beständig an. Gemäß der Ökostrom-Umlage werden private Haushalte derzeit mit 5,3 Cent pro Kilowattstunde belastet. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man noch daran geglaubt hatte, dass die Umlage wie von der Regierung zugesichert nicht über 3,5 Cent je Kilowattstunde steigen würde. Nun steuert die Ökostrom-Umlage sogar auf die 6 Cent zu – nicht unwahrscheinlich, dass diese Marke 2014 überschritten wird.

Gegen diese Entwicklung stellt sich nun ein Wirtschaftsbündnis bestehend aus sieben Wirtschaftsverbänden, das sich gegen die ausschließliche Finanzierung der Energiewende durch die Ökostromumlage wendet. Stattdessen solle die Energiewende – zumindest teilweise – auch über Steuermittel finanziert werden. Dies würde eine gleichmäßigere Verteilung der Lasten zur Folge haben. Dem Wirtschaftsbündnis gehören unter anderem der Textilverband und der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung an.

Das Wirtschaftsbündnis hält zwar an der Energiewende fest, fordert aber grundlegende Änderungen in deren Umsetzung. So sei unter anderem das EEG selbst reformbedürftig. Derzeit wird eingespeister Ökostrom im Rahmen des EEG auf eine festgelegte Dauer von 20 Jahren vergütet – ungeachtet der Marktlage und des Strombedarfs. Damit ist die EEG-Umlage ein wichtiger Faktor, der die Strompreise nach oben treibt. Eine Reform des EEG wird über kurz oder lang unvermeidlich sein, wie die Änderungen in concreto aussehen könnten, ist derzeit aber noch unklar.

Rösler fordert Änderungen am EEG

In Leipzig fand am Dienstag und Mittwoch das zweite Ostdeutsche Energieforum statt. Dort diskutierten rund 600 Fach- und Führungskräfte über neue Lösungen für die Energiewende. Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler waren bei der Veranstaltung zugegen.

Ein wichtiges Thema war das Erneuerbare Energie Gesetz. Rösler forderte eine grundlegende Reform des EE-Gesetzes. Anstatt der bisherigen gesicherten Einspeisevergütung könnte ein sogenanntes „Zuschlagsmodell“ eingesetzt werden. Zurzeit erhalten Besitzer von Photovoltaik-Anlagen eine festgelegte Vergütung pro Kilowattstunde. Würde das Zuschlagsmodell zum Einsatz kommen, gäbe es zukünftig nur einen Zuschlag zu dem momentan erzielten Preis am Markt.

Desweiteren kritisierte Rösler die Rufe neben dem Atomausstieg auch den Kohleausstieg bis 2020 oder 2030 durchzuführen. Die fossilen Kraftwerke seien notwendig, um eine Netzstabilität in Deutschland zu gewährleisten. Zudem betonte Rösler die Wichtigkeit des Netzausbaus, welcher wichtig für ein Gelingen der Energiewende sei.

Netzstabilität und Netzausbau sind ein wichtiges Thema. Erst kürzlich wurde der Weiterbetrieb des Gaskraftwerkes Irsching 5 bestätigt. Zuvor hatte der Betreiber Eon und Regionale-Betreiber mit dem Abschalten des Kraftwerkes gedroht. Das modernste Gaskraftwerk der Welt wird zukünftig vom Netzbetreiber Tennet subventioniert. Die Bundesnetzagentur hatte sich für den Weiterbetrieb des Gaskraftwerkes eingesetzt, in Hinsicht auf die kommende Abschaltung des Atomkraftwerkes Grafenrheinfeld 2015.

 

 

 

Stromanbieter nutzen Energiewende für Preisaufschlag

Nahezu jeder zweite Stromversorger hat die Energiewende genutzt, um die Strompreise zu erhöhen. Dies geht zumindest aus einer Studie der Verbraucherzentrale NRW hervor. “Mindestens die Hälfte der Grundversorger in NRW hat die öffentliche Diskussion über die Energiewende und die steigende EEG-Umlage nach unserer Auffassung instrumentalisiert, um unangemessen hohe Aufschläge zu fordern”, so Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.
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